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Familien-Unternehmen-Zukunft- Quo vadis Familienunternehmen? - Der Einfluss gesellschaftlicher Veränderungsprozesse auf Familienunternehmen in Deutschland, von Prof. Dr. Birgit Felden

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Vor diesem Hintergrund wurde am EMF-Institut der HWR Berlin eine von der EQUA-Stiftung in München geförderte Zukunftsstudie zu  möglichen zukünftigen Entwicklungen solcher Unternehmen und der sie prägenden, familialen Netzwerke erstellt. Dabei wurden die sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt gestellt. Denn gerade diese Umfeldbedingungen haben in der bisherigen Forschung zu Familienunternehmen und Unternehmerfamilien wenig Beachtung gefunden: Welche gesellschaftlichen Veränderungen zeichnen sich ab? Welches sind die entscheidenden Schnittstellen bzw. Einflussfaktoren, die aus dem sich verändernden Umfeld auf Familienunternehmen wirken? Wirken gesellschaftliche Veränderungsprozesse unmittelbar oder nur mittelbar über die Unternehmerfamilie auf große Familienunternehmen und was könnten sie für deren Fortbestehen bedeuten? 

Auf Basis einer Real-Time Delphibefragung sowie qualitativer Interviews mit Familienunternehmen und Experten aus dem beratenden sowie forschenden Bereich zu Familienunternehmen und Zukunftsforschung wurde ein Szenarioprozess durchgeführt, um potenzielle Entwicklungsalternativen zu visualisieren.

Folgende Zukunftserwartungen wurden in den Befragungen und Interviews herausgearbeitet:
Unternehmerfamilien im Jahr 2030 sind komplexer durch unterschiedliche Lebensentwürfe, Familienformen und in einigen Fällen durch die gewachsene Größe des Gesellschafterkreises. Die Mitglieder von Unternehmerfamilien leben häufig (zumindest temporär) weiter voneinander entfernt. Gewachsenen Distanzen lassen sich - wenn man es denn will - mit modernen Kommunikationsmitteln leichter überbrücken, das geschieht jedoch nicht von selbst. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in den Kernfamilien ein wichtiges Thema, da sich meist beide Partner beruflich verwirklichen wollen. 

Familienunternehmen im Jahr 2030 sind durch die Digitalisierung stark verändert. Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig mit diesen Herausforderungen beschäftigt haben, existieren nicht mehr. Komplexität und Unsicherheit haben über alle Themenfelder hinweg zugenommen. Die Unternehmensführung muss Wege finden, wie sie damit umgeht. Da die Globalisierung der Wertschöpfung weit vorangeschritten ist, ist kaum ein Unternehmen noch national aufgestellt. Der Wettbewerbsdruck ist dadurch größer und gleichzeitig eröffnen sich neue Absatzmärkte. Die Flexibilisierung der Arbeit (Teilzeit, Projektarbeit, ortsunabhängiges Arbeiten, temporäre Beschäftigungsformen…) nimmt zu.

Das gesellschaftliche Zusammenleben hat sich durch die Digitalisierung verändert, z.B. durch Virtualisierung vieler Lebensbereiche, die den Stadt-Land-Gegensatz ein Stück weit aufweichen. Freizeit hat für viele Menschen an Bedeutung gewonnen. Die Gesellschaft ist polarisiert und die Gegensätze zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Milieus gefährden den Zusammenhalt. Der demografische Wandel ist in Deutschland in vollem Gange und erfordert Anpassungen in den sozialen Sicherungssystemen. Soziale und ökologische Nachhaltigkeit ist ein gesellschaftlich wichtiges Thema.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden in einem strukturierten Szenarioprozess drei konkrete Szenarien entwickelt, wie Familienunternehmen den gesellschaftlichen Änderungen begegnen könnten. Szenario 1 beschreibt Familienunternehmen als Erfolgsmodell, die eine Vorreiterrolle in der dezentralen, flexiblen, globalisierten Arbeitswelt einnehmen. In Szenario 2 verlieren Familienunternehmen ihre Identität, weil sie sich vorrangig auf die Organisation komplexer Wertschöpfungsnetzwerke spezialisiert haben. Szenario 3 schließlich charakterisiert das Familienunternehmen als Auslaufmodell, was den Sprung in die komplexe Wirtschaftswelt noch nicht geschafft hat.

Die Untersuchung zeigt auf, welche Entwicklungen in den kommenden Jahren für Familienunternehmen maßgeblich sein können und was dazu beitragen kann, ihren Fortbestand zu sichern oder ihn eher gefährdet. Wie die Entwicklungen tatsächlich verlaufen, hängt maßgeblich davon ab, wie die entscheidenden Akteure mit ihnen umgehen. Wenn die hier skizzierten gesellschaftlichen Entwicklungen von Familienunternehmen aufgegriffen und im besten Fall in Ressourcen verwandelt werden, kann das Vorteile gegenüber Wettbewerbern bieten, die nicht über solche Ressourcen verfügen. Nicht nur gegenüber Wettbewerbern, sondern auch innerhalb der Familienunter-nehmen können die als relevant identifizierten Faktoren das Verhältnis unterschiedlicher Akteure zueinander verändern. Dies zeigt sich vielleicht am deutlichsten im ersten Szenario anhand des Bedeutungsgewinns von Frauen innerhalb des Unternehmens und der Familie gegenüber dem Status Quo.

Um die Ergebnisse in einer modernen, ansprechenden Form aufzubereiten, wurde die Internetseite www.familien-unternehmen-zukunft.de erstellt, in Form von pointierten Karikaturen visualisiert und in drei fiktiven Newsletter kreativ und praxisnah umgesetzt. 
Die vollständige wissenschaftliche Studie ist als Band 10 der Schriftenreihe des EMF-Instituts der HWR Berlin erschienen (ISBN 9783940989369). Der Band kann als pdf kostenfrei bestellt bzw. downgeloaded werden (www.emf-institut.org).
 
Prof. Dr. Birgit Felden www.birgitfelden.de